Zum Inhalt:

Der „Fiala“, ein Selbstfindungsversuch des Philosophen Karl Löwith (1897-1973), wurde 1926 in Form einer Erzählung verfasst und wird hier - über 90 Jahre später - erstmalig publiziert. Die eindrücklichen Schilderungen wesentlicher Lebensphasen wechseln ab mit philosophischen Erörterungen über die Freundschaft, den Selbstmord, den Lebenssinn, die Natur und die Geschichte. Gleichzeitig porträtiert Löwith jene Lehrer, die ihn entscheidend geprägt haben: Max Weber, Edmund Husserl und Martin Heidegger. Für ein Verständnis Karl Löwiths ist sein erster Lebensbericht, betitelt Fiala, ebenso wichtig wie sein zweiter Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933.

Über dieses Buch
Das Manuskript des Fiala datiert vom September 1926, verfasst drei Jahre nach seiner Dissertation über Nietzsche und zwei Jahre vor seiner Habilitation über Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen (1928) bei Martin Heidegger. Im Gegensatz zu seinem zweiten Lebensbericht – 1940 in Japan geschrieben – stammt dieser erste von einem jungen Philosophen, der noch auf der Suche nach seiner Identität ist. Der Text präsentiert sich als moderne Erzählung, die verschiedene Lebensereignisse des Autors locker aneinander reiht.
Warum diese Buch erst 92 Jahre später erscheinen kann, lässt sich nicht leicht erklären. Bisherige biographische Darstellungen Karl Löwiths (1897-1973) gehen meistens von seinem zweiten Lebensbericht Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933 von 1989/2007 aus. Zum Verständnis des Philosophen ist der Fiala eine notwendige Ergänzung. Mit seiner Publikation ist die Hoffnung verbunden, dass er eine Löwith-Renaissance einleiten kann.

Der Autor
Karl Löwith wurde 1897 in München geboren. Seine Eltern, beide jüdisch, waren der Kunstmaler Wilhelm Löwith und dessen Ehefrau Margarete Löwith, geborene Hauser. Nach achtmonatigem Krankenlager und zweijähriger Kriegsgefangenschaft kam er 1917 zurück nach München und begann mit dem Studium der Biologie und Philosophie an der Universität München. 1919 wechselte er nach Freiburg und studierte weiter bei Spemann, Husserl und Heidegger. 1928 habilitierte er sich bei Martin Heidegger in Marburg und lehrte dort Philosophie, bis er 1933 als Jude geächtet und ihm 1935 der Lehrauftrag entzogen wurde. Nach 19 Jahren der Emigration in Japan und den USA – Lehrtätigkeiten in Sendai, Hartford (Theologisches Seminar) und New York (New School for Social Research) – kehrte er nach Deutschland zurück und lehrte seit 1952 als Ordinarius der Philosophie in Heidelberg. Er wurde 1964 emeritiert und starb am 26.05.1973 in Heidelberg, wo er auch beerdigt ist.

Der Herausgeber
Dr. Klaus Holzer, Psychotherapeut für Einzel- und Gruppentherapie, geboren 1938, langjährige Mitarbeit am Institut für Tiefenpsychologie, Gruppendynamik und Gruppentherapie ITGG (Leitung Prof. Dr. Dr. Josef Rattner)