Zum Inhalt:

Das Buch beschäftigt sich mit dem amerikanischen Psychiater und Neo-Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan. Er verband die Psychoanalyse Freuds mit der Lehre Alfred Adlers, dem philosophischen Pragmatismus sowie der Chicagoer Schule der Sozialwissenschaften und entwickelte seine eigene „Theorie der zwischenmenschlichen Beziehungen“. Diese ermöglichte ein neues Verstehen sowohl der sogenannten Normalmenschen als auch der psychiatrisch Erkrankten, insbesondere der schizophrenen Patienten. Damit wurde er – zusammen mit Frieda Fromm-Reichmann – zum Wegbereiter einer Psychotherapie von Schizophrenen. Seine zentrale These lautet, dass auch psychisch schwer Gestörte sich wesensmäßig nicht von anderen Menschen unterscheiden. - Im ersten Teil der Arbeit wird der krisenhafte Lebensweg Sullivans im Zusammenhang mit dem sozialen Milieu und der sozio-ökonomischen Situation im ländlichen Nordosten der USA dargestellt. Sodann werden seine berufliche und theoretische Entwicklung sowie seine Mentoren und Wegbegleiter vorgestellt: S. Freud, W. A. White, Adolf Meyer, Clara Thompson und E. Sapir. – Die Werkanalyse enthält zunächst eine Klärung wichtiger Grundbegriffe in Sullivans Lehre, insbesondere des Begriffs Angst, welcher auch aus philosophischer, kulturgeschichtlicher und tiefenpsychologischer Sicht erörtert wird. In der anschließenden Erörterung von Sullivans Interpersonaler Theorie wird gezeigt, dass diese nicht nur eine originäre Theorie der gesunden Persönlichkeitsentwicklung darstellt, sondern zugleich eine Ätiologie psychischer Störungen einschließlich Psychosen umfasst. Besonders wegweisend sind seine Erkenntnisse über die frühkindliche Entwicklung, welche die Ergebnisse der modernen Säuglingsforschung vorweggenommen haben, sowie über die Probleme der Pubertät und Adoleszenz. – Seine Beiträge zur Psychopathologie und zur Kunst des psychotherapeutischen Gesprächs schließen dieses Hauptkapitel ab. Es folgt eine kritische Würdigung sowie eine Erörterung der bisherigen und zukünftigen Wirkungen von Sullivans Konzepten.